Warum wird in Stadtgeschichte/n so viel über das Kloster geschrieben?

• Die Stadt St.Gal­len wäre oh­ne das Klo­ster an die­sem da­mals sehr un­wirt­li­chen Ort im dich­ten Ar­bo­ner­forst und oh­ne See­an­stoss wahr­schein­lich gar nicht ent­stan­den. Die Be­grün­dung für die­se An­na­hme liegt da­rin das die tie­fen To­bel im Os­ten und Wes­ten und die stei­len Hü­gel im Nor­den und Sü­den für den Trans­port von Wa­ren zeit­rau­ben­de Hin­der­nis­se dar­stell­ten und für die nö­ti­ge Er­stel­lung von Saum- und Kar­ren­we­gen enor­me Kos­ten auf­ge­wen­det wer­den muss­ten.

• Das aus ei­ner Ere­mi­ten­sied­lung en­tstan­de­ne, mäch­tig an­wachs­en­de Klos­ter das im­mer mehr von Wall­fahr­ern be­sucht wur­de, war je län­ger je mehr auf ei­ne gut funk­tio­nie­ren­de In­fra­struk­tur an­ge­wie­sen. Um die­se In­fra­struk­tur zu ge­währ­leis­ten brauch­te es Zu­züg­ler ver­schie­dens­ter Be­rufs­gat­tun­gen wie Mül­ler, Bä­cker, Metz­ger, Schrei­ner, Schmie­de, Bau­leu­te und so wei­ter, die ihrer­seits auch wie­der ge­eig­ne­ter Ein­rich­tun­gen be­durf­ten. So wuchs die eins­ti­ge Klos­ter­sied­lung nach und nach zur Grös­se ei­ner sich früh mit dem Att­ri­but „Stadt” be­zeich­nen­den Sied­lung he­ran. Die „Stadt” hat­te z.B. 1418 nur ge­ra­de 3000 Ein­woh­ner, was da­mals je­doch viel war.

• Oh­ne Klos­ter ging ein­fach nichts, bis die Stadt St.Gal­len anno 1170 das Stadt- und Markt­recht be­kam. Da­raus re­sul­tier­te ei­ne sich kon­ti­nuier­lich über nahe­zu 400 Jahre hin­zie­hen­de Los­lösung vom Klos­ter. 1566 war es dann end­lich so­weit, aus der Klos­ter­stadt wur­de ei­ne freie Reichs­stadt und Kleinst­re­pub­lik (ca. 6 km²).

• Die Für­stab­tei St.Gal­len und die Stadt­re­pu­blik St.Gal­len ha­ben dann in der Fol­ge je­de für sich, manch­mal mit- und oft auch ge­gen­ei­nan­der die Stadt­ge­schich­te ge­prägt. Sie se­hen, auch im Zeit­al­ter der Stadt­re­pu­blik ist die Stadt­ge­schich­te nicht vom Klos­ter zu tren­nen.

• Die Aus­ruf­ung der hel­ve­ti­schen Re­pu­blik (Hel­ve­tik) vom 12. April 1798 war Aus­lö­ser des Un­ter­gangs der bei­den Staats­ge­bil­de. 1805 wur­de dann, nicht zu­letzt auch auf die Stur­heit des letz­ten Ab­tes „Pan­kraz Vor­ster” zu­rück­zu­füh­ren, die Auf­lös­ung der Ab­tei zur Tat­sa­che. Das Klos­ter wur­de komp­lett ent­mach­tet und die Stadt über­nahm al­lei­ne das künf­ti­ge Ge­sche­hen.