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1601 — 1700
1601 Brachmonat (Juni)
Innert zwölf Tagen werden fünf Brandstifter und Mörder, die unabhängig voneinander insgesamt über 100 Morde begannen haben sollen, zum Tode verurteilt.
1601 18. September, morgens etwas nach 1 Uhr
Starkes Erdbeben, dass Kamine zum Einsturz bringt.
Ergänzung
1601 Regula Köchin wird infolge ihres Vergichts vom 3. April wegen Zauberei hingerichtet.
1601 Barbara Kunzin, Lachamennin, wird vom Vorwurf der Zauberei freigesbrochen.
1601 Katharina Buchlin, wird vom Vorwurf der Hexerei freigesbrochen.
1601 Der zweistöckige Holzerker zum (Sonnenhof), Gallusplatz 28, wird erstellt.
1601 Magdalena Weiblerin aus Chur wird infolge ihres Vergichts vom 4. Mai wegen Zauberei hingerichtet.
1601 Die Stadt gibt sich eine neue Satzung (exekutive Rechtsnorm) die jene von 1508 ersetzt.
1601 Straal (Vorname unbekannt) gesteht 29 Morde, er muss den Tod durch grausames Rädern erleiden.
1601 Margreth Straiffin, wird vom Vorwurf der Zauberei freigesbrochen.
1601 bis 1620 Bürgermeister: Joachim Reutlinger, aus der Schmiedezunft.
1602 Mit der Weisung des Dekans von St. Gallen nehmen die Beginen vom Klösterchen Tann die Ordensregel der Kapuzinerinnen an, zu denen sie ab dem Zeitpunkt als Tertiarinnen zugehören.
1602 Das Kloster St. Gallen zieht das Lehen von Norsingen (De), nachdem die Lehensherren ausgestorben sind, wieder ein.
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1603 Um den Gassenbettel zu unterbinden wird das Bindhaus geschaffen. Arme, kranke und alte Personen, Hintersassen, können jeden Freitag im Bindhausschopf vor dem Schibenertor ein Almosen empfangen. Um die Alimentierung zu gewährleisten geht ein dafür bestimmter Bürger wöchentlich an bestimmten Tagen von Haus zu Haus und sammelt Almosen.
1603 Kathrin Hofstetterin wird infolge ihres Vergichts vom 1. Juni wegen Zauberei hingerichtet.
1603 Das Haus der „Gesellschaft zum Löwenkopf” an der Westecke Schmiedgasse/Schmittengässlein wird erbaut.
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1603 Der 39 jährige Daniel Zollikofer wird wegen Falschmünzerei hingerichtet, er hatte 200 falsche Dukaten aus Kupfer mit einem Goldüberzug hergestellt.
1604 Auf Geheiss von Abt Bernhard Müller wird am Kräzerenbach eine Papiermühle (Poppemüli genannt) in Betrieb genommen.
1604 Anna Weyermännin, Ehefrau des Spisertorwächters Heinrich Huber, wird infolge ihres Vergichts vom 8. Juni wegen Zauberei hingerichtet.
1604 Margreth Straiffin, wird wie schon 1601 vom Vorwurf der Zauberei freigesbrochen.
1604 Canisius S.J., Rektor der Universität Ingolstadt, macht die wissenschaftliche Öffentlichkeit auf den in der Klosterbibliothek St. Gallen entdeckten Klosterplan aufmerksam.
Ergänzung
1604 Regula Kellerin, wird infolge ihres Vergichts vom 22. August wegen Zauberei, Ehebruch und Diebstahl hingerichtet.
1606 Streit um Kirchengesangsbuch, weil es den Gegnern zu lutherisch erscheint.
1606 Der Goldschmied, Melchior Frank wird Zunftmeister der Schmiedekunst.
Ergänzung
1606 Der Mauerwerk-Runderker (Grüner Hof), Gallusstrasse 26, wird erstellt.
1607 Samuel Oberhausers Tochter Barbara, Sailerin genannt, bekennt sich trotz Folterverhör nicht zu den Vorwürfen des Schadenzaubers. Sie wird gegen Ausstellung einer Urfehde freigelassen und muss mit ihrem Kind die Stadt verlassen.
Ergänzung
1607 Im Deutschen Reich für den Papst geworbenen Truppen dürfen mit erhobener Fahne, aber auf schnellstem Weg die Stadt passieren. Die Bevölkerung wird angehalten sich ruhig zu verhalten.
1607 Der Turm des Brühltores wird um zwei Stockwerke erhöht.
1608 Der zweistöckige Steinerker (Tiefer Keller), Hintere Lauben 10 wird erstellt.
1608 Die Abtei kauft das Schloss Neuravensburg (De), ein Schloss das in die Geschichte eingehen wird, da es in unruhigen Zeiten den Äbten als Zufluchtsort dient.
1610 14. Juni
Die Nonnen vom
Klösterchen Tann unterstellen sich dem Kapuzinerorden und dem Schutz des Abtes von St. Gallen.
1610 Grabung der Eich-, Knaben- und Kreuzweiher auf Dreilinden.
Ergänzung
1610 Die Jahresproduktion an guten Tüchern (Leinwand) erreicht 27'645 Stück à je 130 Ellen (gut 101m) Länge und ca. 1.12m Breite. Um der Nachfrage nachkommen zu können wird die Grosse Bleiche „Kreuzbleiche” geschaffen.
1610 Mathias Haubenreich, ein Vagant aus Freiburg im Breisgau, wird der Zauberei beschuldigt und enthauptet.
1610/11 Die grosse Seuche
451 Kinder und 602 Erwachsene Einwohner, 20% der Stadtbevölkerung werden durch die Pestseuche dahingerafft.
1611 Von der wohlhabenden Anna Schlappritzi-Stauder wird am Burggraben das Landhaus (Weekendhaus) zur Hechel, auch Kleinburg genannt, mit zweistöckigem Mauerwerkerker errichtet.
Ergänzung
1611 In einer Verordnung die sich gegen Missbrauch bei Begräbnissen wendet, wird unter anderem festgehalten, dass wundersüchtige Leute, Weibsbilder, Töchter, Mägde und Knaben, die nicht direkt in eine Beerdigung involviert sind, sich von dieser fernzuhalten haben.
1611 Sebastian Schobinger wird Stadtarzt.
Ergänzung
1611 Ein Edikt verbietet jegliches Beschenken, eigene Kinder, Enkelkinder und Taufpaten ausgenommen.
1611 Bürgermeister und Räte lassen ein 36 Seiten starkes Büchlein (Mandat und Ordnung) verteilen.
Ausschnitte
1612 6. Juli
Ein Wolkenbruch lässt die Steinach dermassen hochgehen, dass sie die Wuhr bei der Mühleck zerreisst und zu Lämmlisbrunnen das Waschhaus neben drei Röhren (Dreiröhren-Brunnen) und weiterhin alle Mühlenwuhren und alle Stege mitreisst.
1612 Weihnachtszeit
Heftige Stürme mit Böen verursachen grossen Schaden an den Häusern. In den Waldungen der Stadt müssen mehrere tausend umgeworfene oder zerrissene Tannen beseitigt werden.
1613 Das immer noch im Linsebühl pfarrgenössige Speicher im äusseren Rhoden erhält für ein Endgeld die gänzliche Befreiung.
1613 Jakob Fugger (aus dem berühmten Kaufmannsgeschlecht der Fugger), Fürstbischof von Konstanz iniziiert mit dem Kloster St. Gallen ein Konkordat (1624 ergänzt), dass die Rechtsauffassungen der Bischöfe und Äbte festlegt.
1613 bis 1625 Bürgermeister: Joachim Zollikofer von Altenklingen, aus der Gesellschaft zum Notenstein.
1613 bis 1638 Bürgermeister: Georg Huber, aus der Weberzunft.
1614 6. Juli
Im Krieg von Kaiser Carl Emanuel von Savoyen gegen König Philipp II. von Spanien hilft das Kloster letzterem mit einem
Fahnen Hilfsvölker, die in Savoyen grossen Schaden anrichten.
Ergänzung
1614 Balthasar Haim übernimmt das ehrenvolle Amt des Obmanns der Windwächter.
Ergänzung
1614 St. Laurenzen verliert die kirchgenössige Speicherer Bevölkerung, Speicher bekommt eine eigene Kirche.
1614 An der Südostecke des Kreuzganges im Katharinenklosters wird ein Treppenturm angebracht.
1614 Stahringen und Homburg, heute zu Radolfszell gehörend, werden dem Benediktinerkloster St. Gallen überschrieben.
1614 Fürstabt Bernhard Müller macht sich an den Wiederaufbau von Schloss Ravensburg, dass während des Bauernkrieges 1568 niedergrbrannt wurde.
1615 31. Mai
Barbara Bruggbacherin aus Waldkirch wird wegen harmlosen Diebereien, aber vor allem weil sie sich dem sogenannten bösen Feind (Hexerei) ergeben habe, auf der Leimat durch das Schwert hingerichtet. Ihr
Vergicht machte sie am 31. Mai.
1615 4. November
St. Gallen gründet zusammen mit weiteren Klöstern eine Benediktiner
kongregation.
1615 Die Reformierte Kirche der Stadt übernimmt nach langem Zögern den Katechismus.
1615 Der dreistöckige Holzerker zur (Jägerei), Gallusplatz 34, wird erstellt.
1615 Dorothea Lampartin, wird der Hexerei schuldig befunden und hingerichtet. Ihr wird vorgeworfen, in Montlingen und in St. Margrethen Hagelwetter herabgezaubert zu haben.
1616 14. Juni, 5:00 Uhr
Ein Blitzschlag beschädigt recht stark das Uhrwerk der St. Laurenzenkirche.
1616 Nördlich des Dorfes Berg SG. erbaut die vornehme Stadt St. Galler-Familie Zollikofer das Schloss Gross-Hahnberg.
1616 Abt Bernhard Müller von St. Gallen löst die Klostergemeinschaft der Waldschwestern im Hundtobel im Tübacherholz, zwischen Mörschwil und Tübach, auf und lässt die Frauen ins neu erbaute Kloster St. Scholastika in Rorschach umziehen.
1616 Hieronymus Gesus aus Konstanz giesst die sich in der Stiftskirche befindende 403 kg schwere Armen-Seelen-Glocke mit Schlagton dis″.
1616/17 Barbara Bauwelin aus Altstätten wird vom Vorwurf der Zauberei freigesprochen.
1617 Niklaus Morer aus Urseren UR wird des Diebstahls, wegen Mordes in 63 fällen, Brandstiftung, Sodomie und Zauberei überführt und hingerichtet.
1617 Der Holzerker zur (Waldegg), Spisergasse 32, wird erstellt.
1617 Ein Dammbruch beim Knabenweiher auf Dreilinden, verwüstet auf den Bleichen die Leinwandtücher.
1618 Mai
Beginn des 30 jährigen Krieges, ausgelöst durch den
2. Prager Fenstersturz der für Stadt und Kloster manches zu lösende Problem ergibt. Obwohl mit alten Streitereien unter sich reich befrachtet, fanden sie sich mehrere Male an der Ostgrenze der Eidgenossenschaft zusammen um gemeinsam mögliche Gegner, gleich welcher Gesinnung, abzuwehren.
1618 Ein Hochwasser reisst bei der Sitterwalche das Wuhr mit sich. Im Frohn arbeiten pro Tag bis zu 400 Stadtbürger bis alles wieder hergestellt ist.
1618 Aus Angst, die Bündner-Unruhen könnten auch die Stadt in Mitleidenschaft ziehen werden die Wachen verstärkt und zwei Fahnen Bürger in Alarmbereitschaft gehalten.
1618 Das am Bohl stehende und baulich vom Katharinenklösterchen getrennte Refektorium, seit 1554/55 als Zeughaus der Stadtrepublik St. Gallen benützt, wird erweitert.
1619 Die Stadt St. Gallen verfügt, Juden dürfen nur noch mit obrigkeitlichem Geleit in die Stadt kommen.
1619 Abt Bernhard Müller erstellt an der Hinterseite des Rest. Hirschen in St. Fiden, das unter anderem auch als Gerichtsgebäude dient, einen Gefängnisturm.
1619 Der dreistöckige, hölzerne Eckturm oder Eckerker zur (Stärke), Schmiedgasse 21, wird erstellt.
1620 Gründung der Schützengesellschaft St. Fiden, mit Standtort Scheibenacker.
1620 Das Multertor wird mit Fallbrücke und Fallgatter verstärkt.
1620 Die Stadt nimmt 150 Überlebende des berüchtigten Veltlinermordes mit christlicher Milde bei sich auf.
1620 Am Pletztor (später Platztor) wird ein Einlass mit einem starken Zwinger erbaut. Der Einlass dient Hebammen und Ärzten bei Notfällen.
1620 Nachdem im Veltlin spanische Truppen gegen die Protestanten wüteten, verstärkt die Stadt ihre Truppen.
1620 Sieben Jünglinge gehobener Kreise gründen das (Collegium musicum) dessen Gesänge durch Bassgeige oder Orgel begleitet werden.
1620 bis 1635 Bürgermeister: Ambrosius Schlumpf, aus der Weberzunft.
1621 Die Abtei kauft die Herrschaft Ebringen im Breisgau.
1621 Im Ratsprotokoll wird die Bestrafung eines Frevlers erwähnt, der es im Übermut gewagt hat die Stadtmauer zu überklettern.
1622 24. April
Die Chronik meldet, der auf Sulzberg wohnende Hauptmann Josua Studer, ein äbtischer Untertan der viele Jahre dem König in Frankreich diente und aktiv an der Pariser
Bartoholmäusnacht, auch Pariser Bluthochzeit genannt, mitwirkte, ist mit bösem Gewissen verstorben.
1622 24. April
Die
Herren von den Bäuen und die Bürgermeister beschliessen das Müllertor durch ein weiteres Tor zur Stadt hin (Doppeltor) zu verstärken.
1623 August
Die Musterung der Bürgerschaft unter Oberst Jacob Zörnlin ergibt den Bestand von 230
Musketieren und 120 Spiessträgern.
1623 3. September
Protokolleintrag, der Balken des
Hochgerichts auf dem Leimat sei „ganz und gar verfault” und sollte neu gemacht werden.
1623 Die Vadianische Bibliothek, wird neben dem säkularisierten Stift zu St. Katharinen untergebracht.
1623 Der Stadtbibliothek in der Knabenschule zu Katharinen, wird ein „gar greulich Thier”, ein ausgestopftes Nilkrokodil geschenkt. Die Schenkung dient dem Zweck, die Zierde der Bibliothek zu erhöhen.
Ergänzung
1623 Ludwig Cunz erhält die Erlaubnis, an der Hinteren Lauben 4 einen Stubenerggel aus Steinwerk zu erstellen.
1623 Die Stadt verstärkt ihre Verteidigungsanlagen und an der Ringmauer werden mehrere Wachthäuschen angebracht. Ein Bürger, der sich widerrechtlich ein Fenster in die Stadtmauer machte, wird mit dreissig Pfund gebüsst und eingekerkert.
1624 Das Hotel Hecht am Bohl wird erstmals erwähnt.
1624 Die Abtei St. Gallen sichert sich das Recht, die Pfarrei Montlingen visitieren zu können.
1525 Das Haus „Zum Vögeli” mit seinem Steinerker, Spisergasse 25, wird erstellt.
1625 Infolge der Kriegsgreuel in Bünden und in Deutschland wird Hans Jakob Zörnli von Basel mit der Befestigung unserer Tore und Türme betraut, er bekommt in der Folge das Bürgerrecht.
1626 Um die Reform des Klosters Fulda in Fulda voranzubringen, werden St. Galler Mönche beigezogen.
1628 21. Juni
Heftiger Schneefall in der Stadt.
1628 Infolge der Teuerung ist die Stadt gezwungen, an Bedürftige Korn und Brot abzugeben.
1628 Die frühbarocke St. Otmarkirche im Klosterhof wird eingeweiht.
Ergänzung
1629 Pestjahr
Der Abt offeriert den Mönchen die
Pest verseuchte Stadt verlassen zu können, zwei ziehen weg.
1629 Pestjahr
1536 Einwohner der Stadt fallen der Seuche zum Opfer, über ein Drittel der Stadtbevölkerung.
1629 Der zweistöckige Holzerker zur (Gerechtigkeit), Spisergasse 3, wird erstellt.
1630 15. April
Abt Pius Reher, Abt bis 1654.
Ergänzung
1630 Der Holzerker, Gallusplatz 30, wird erstellt.
1630 Es war wohl der savoyische Kaufmann Andreas Peruquett der sich in St. Fiden ein Schlösschen erbauen lies.
Ergänzung
1630 Der Genferbote, Johannes Nüsch aus St. Gallen ist betrunken vom Ross gefallen und hat deshalb Post und Pferd verloren. Verloren hat er nachträglich auch seinen Arbeitsplatz, zudem musste er für 8 Tage bei Wasser und Brot ins Gefängnis.
1632 bis 1652 Bürgermeister: Sebastian Schobinger.
1633 Das Müller-, Brühl- und das Schibenertor müssen zeitweilig geschlossen werden.
Ergänzung
1633 Abt Pius Reher errichtet im Kloster eine Stiftseigenen Druckerei.
1633 Die Schweden, Konstanz belagernd, versichern den Eidgenossen keine Gefahr solange sie sich ruhig verhalten. Die Stadt trotzdem besorgt, erneuert auf der Bernegg (St. Wendelinsbild) ihre Hochwacht und hält die Tore immer verschlossen.
1633 Jean Girard aus La Mothe giesst die sich im Dom befindende 2750 kg schwere Muttergottesglocke mit Schlagton h°.
1634 Im Zusammenhang mit dem 30-jährigen Krieg werden alle Juden aus der Stadt vertrieben.
1635 7. April
Der künftige Befreier des Veltlins, der berühmte
Hugenottenführer Herzog Henri de Rohan weilt als Gast bei Junker Cornelius Zollikofer im Schlössli an der Spisergasse, seine Truppen übernachten in vier Zelten und in Holzverschlägen vor dem Brühltor.
1635 Pestjahr
1420, etwa 20% der Stadtbewohner fallen der Seuche zum Opfer.
1635/36 Durchzug französich kaiserlicher Truppen, Abt und Rat verständigen sich untereinander. Sie lassen nie mehr als 10 bis 12 fremde Offiziere gleichzeitig die Stadt vom Spiser- zum Multertor passieren, ihre Soldaten müssen den Weg ausserhalb der Stadtmauern nehmen.
1636 bis 1655 Bürgermeister: Kaspar Friedrich, aus der Weberzunft.
1637 Abt Pius Reher schliesst mit Spanien ein Militärbündnis.
1637 bis 1638 Bartholomäus Anhorn fungiert in der Stadt als Pestprediger, er bekommt dafür das Stadtbürgerrecht geschenkt und wird Stadtpfarrer.
1637 Der Abt verbietet den 1634 vertriebenen und wieder zurückgekehrten Juden aus der Stadt St. Gallen, in Rorschach den Markt zu besuchen.
1637 Bruggen erhält einen eigenen Friedhof.
1637 Schriftlich nachgewiesen ist der Espen weiher etwas südlich von der heutigen Verzweigung Harzbüchel- Lukasstrasse. Vermutlich 1914 aufgefüllt.
1637 Die Kauf- und Ladenleute erstellen gemeinsam eine Marktordnung, dies gilt als Ursprung der Kaufmännischen Direktion.
1638 Das Schwitz- und Wasserbad Lämmlisbrunn mit seinen grossen Badegewölben wird eröffnet.
1638 bis 1654 Bürgermeister: Johannes Hildbrand, aus der Schneiderzunft.
1639 4. April
In der Stadt findet der erste Dank-, Buss- und Bettag statt, jedermann ist verpflichtet, diesen Tag in der Kirche zu verbringen. Ablauf: 07:30, 11:00 und 15 Uhr je eine Predigt, in den Zwischenzeiten Gesang und Anhörung schöner Gebete und Bibelabschnitte.
1640 18. August
Im Kirchlein St. Peter und Paul wird ein Altar geweiht.
Ergänzung
1640 Um die Rüstungen betreffend mit einem möglichen Gegner mithalten zu können, werden alte Harnische verkauft um für unbemittelte Bürger neue anschaffen zu können, begüterte Bürger müssen ihr Rüstzeug selber beschaffen.
1640 Anna Huberin (Huber) aus Wittenbach wird infolge ihres Vergichts wegen Zauberei hingerichtet.
1640 Die 1633 von Abt Pius Reher im Kloster Neu St. Johann errichtet Klosterdruckerei wird nach St. Gallen verlegt.
1641 Behördliche Vorschrift die männliche Haartracht betreffend. Die Haare müssen so geschnitten werden damit sie nicht mehr als (das halbe oder aufs längste das ganze Ohr damit bedecken mögen).
1641 Wolfsplage. Die Gottshausleute im St. Gallerland werden verpflichtet für jedes Stück Ross und Vieh 4 Kreuzer zu zahlen. Damit kann jedem der einen Wolf schiesst 30 Gulden bezahlt werden.
1641 Am Handelshaus an der Ecke Turm- Marktgasse, erstellt 1685, wird ein Mauererker mit Blick auf die Turmgasse angebtacht.
Ergänzung
1642 bis 1644 Der Hauptmann in spanischen Diensten, Johannes Boppart, erbaut den von einer festen Mauer umgebenen Haggenhof, im Voklsmund Haggenschlössli.
1642 Der Basler Matthaeus Merian zeichnet sein berühmtes Stadtbild aus der Vogelperspektive.
1642 Die Klausnerinnen zu Santjörgen unterstellen sich dem Benediktinerorden.
1643 Verordnung des Rates. Das beieinander stehen von schwatzenden Frauen und Töchtern nach dem Kirchgang wird verboten, sie sollen jede für sich heimgehen, ansonsten sie mit 1 Pfund gebüsst werden.
1644 11. Juni
Explosion der Pulvermühle am Bach (Bachstrasse).
1644 Infolge der Eroberung von Bregenz durch schwedische Truppen, wird der Rheinübergang nach Bregenz durch städtische und fürstäptische Truppen besetzt.
1646 Der Abt bewilligt den Straubenzellern eine eigene Schule, sie wird bei den Nussbäumen, in der Nähe der Burg Waldegg in einem Privathaus eingerichtet.
1646 Abt Pius Reher bittet den Unterburgermeister und die Häupter beim Hof- oder Klostertor zum Augenschein. Grund, es seien sechs grosse Steine über die Mauer geworfen worden. Die Vertreter der Stadt finden aber, dass durch die Grösse der Steine bedingt, eine solche Tat nicht möglich gewesen sei.
1646 Unter dubiosen Umständen gelangen 52 Schriften, die von Vadian vor dem Klostersturm von 1529 gerettet wurden, in den Besitz der Stadt Bremen, darunter auch die berühmte Henauer-Urkunde.
Ergänzung
1647 26. Januar
Leutnant Studer reist im Namen der Stadt St. Gallen nach Bregenz. Dort übergibt er dem schwedischen Besetzer, General Wrangel, der sich anschickt mit seinen Truppen Bregenz zu verlassen, wegen vielfältig und bezeugtem guten Willen, ein Fuder des allerbesten Rheintalerweines. Der General hatte bei der Besetzung von Bregenz einer Delegation versichert, dass er nichts gegen die Stadt St. Gallen unternehmen werde.
1647 Die Burg Anwil bei Buhwil kommt in den Besitz der Stadt St. Gallen.
1647 Sybilla Peuschlerin von Bayern wird zwar vom Vorwurf der Zauberei freigesprochen wird aber aus der Stadt ausgewiesen.
1647 Neubau der St. Wolfgangkapelle im Haggen, später wurde ein Türmchen mit den dazugehörenden Glocken gebaut.
Ergänzung
1647 Das Müller-, Brühl- und das Schibenertor müssen zeitweilig geschlossen werden.
Ergänzung
1648 Der Westfälische Friede, der das Ende des Dreissigjährigen Krieges in Europa bedeutet, ermöglicht der Stadt- und der Klosterrepublik die formelle und endgültige Unabhängigkeit vom deutschen Reich.
1648 Der Fürstabt erbaut in Altätten eine Kapelle, die er dem hl. Placidus weiht.
1648 Die Nürnberger und Lindauer Boten müssen von den St. Galler Kaufherren einmal mehr zu fleissiger Verrichtung ihrer Reisen ermahnt werden.
1649 4. Juni
Die private
Ordinari des Handelshauses Hess in Zürich schliesst mit St. Gallen einen Vertrag die Aufgaben des Genferboten betreffend. Der Bote soll wöchentlich einmal von Zürich und St. Gallen nach Genf reisen.
1649 Die Abtei kauft die Glattburg bei Oberbüren (später Kloster St. Gallenberg) zurück.
1649 Die Stadt beteiligt sich mit Darlehen am Auskauf der 5 Gerichte Davos, Klosters, Casteis, Schiers und Churwalden aus dem österreichischen Herrschaftsbereich.
1649 Um die Zunft der Wundärzte ist es so schlecht bestellt, dass der Abt seinen Untertanen verbietet Wundärzte aus der Stadt zu konsultieren.
1650 28. Februar ca. zwischen 21: und 22 Uhr
Haberdarre in der Spiservorstadt bricht ein Feuer aus, eine Dienstmagt kommt zu Tode und neun Häuser werden zu Asche.
1650 Blaues Haus, der zweistöckige Mauerwerk-Runderker, Gallusstrasse 20, wird erstellt.
1651 28. April
Den Bürgern, wie auch den Fremden wird das Rauchen im freien und in den Trinkstuben verboten, begründet wird das Verbot mit der Feuer- und Suchtgefahr.
1651 Barbara Hofstätterin wird, befreit vom Vorwurf der Zauberei, freigesprochen.
1651 bis 1750 In dieser Zeit, immerhin 100 Jahre, werden fünf Neubürger aufgenommen.
1652 Der St. Galler, Paulus Stunzt, bekleidet in Basel das Amt des Scharfrichters.
Ergänzung
1652 Zum Schutz vor der lothringischen Bedrohung bei Solothurn und Basel, wird auch eine Mannschaft aus der Stadt St. Gallen als Grenzschutz eingesetzt.
1652 bis 1664 Bürgermeister: David Cunz, aus der Schmiedezunft.
1653 Kaufleute erheben Klage gegen den Boten Lorenz Ruosch, den Boten der Ordinari, der in Lindau ein Paket Briefe verloren hatte. Der Schaden war deswegen so gross, weil Standesbriefe sowie Briefe von hohen Orten und an fromme Herren fehlten. Wegen seines Fehlers und Unfleisses musste Lorenz Ruosch drei Monate lang mit seinem Ritt nach Nürnberg still stehen.
1653 Die Tagsatzung verpflichtet alle Orte, den von Bauernaufständen bedrohten Regierungen beizustehen, so hilft auch die Stadt mit zwei Fahnen, die im Bernbiet die Bauern zurückschlagen.
1654 Abt Gallus Alt, Abt bis 1687.
1654 Die Stadt kauft das Klösterchen St. Leonhard aus Privathand zurück. Zweck ist, in Pestzeiten ein Absonderungshaus zu besitzen.
1654 bis 1663 Bürgermeister: Sylvester Hiller, aus der Schmiedezunft.
1655 In alten Schriften wird eine Brugg erwähnt die in Zweibruggen gegen St. Gallen über die Sitter führt. Danach musste über die Hundwilerleiter Haggen bei der St. Wolfgangskapelle erreicht werden.
1655 Das Schloss Elgg kommt mittels eines fingierten Schuldschein in den Besitz des Klosters St. Gallen.
Ergänzung
1655 Als Merkwürdigkeit verzeichnet die Appenzeller Chronik von Walser, dass am Herbstjahrmarkt in St. Gallen 1 Mass Wein, 1 Mass Milch und ein birkener Besen gleichviel gegolten hätten, nämlich 6 Pfennig.
1657 Die Hingerichteten und die Selbstmörder bekommen im Linsebühl-Friedhof einen eigenen ummauerten Platz (Schelmenfriedhof).
1657 Der heutige Festsaal des Stadthauses erhält eine kostbare Kassettendecke, erstellt durch Daniel Mader.
1657 Das Kirchenschiff von St. Mangen wird nach Westen verlängert.
1657 Meinrad der sechsjährige Sohn des Nürnbergerboten Lorenz Ruosch ertrinkt im Burggraben.
1658 Zu den schon bestehenden Weihern kommt der Nellusweiher hinzu, bedingt durch das vergrössern der Brühlbleiche. Der Nellusweiher war bis 1923 dort wo heute die Liegewiese des Familienbades ist.
1658 Ein gefährlicher Bauernaufstand im Gebiet, Bern, Luzern, Solothurn und Basel veranlasst die zu Hilfe gerufene Stadt St. Gallen, unter Hauptmann Christoph Studer und Hauptmann Leonhard Laurenz Zollikofer je ein Fähnlein Volk zu entsenden, sie warfen in Mellingen die Bauern zurück.
1658 Der Fürstabt Gallus Alt von St. Gallen richtet einen Protest gegen ein Zürcher Tagsatzungsprotokoll, in dem ein Teil seines Titels, nämlich der dem Reichsfürsten zustehende Zusatz „Souvereän” fehlt.
1658 Die Feinds-, Feuer- und Wasserordnung unterteilt die Stadt in neun Quartiere.
1658 In Lindau wird die Glocke für das Spisertor gegossen, sie ziert noch heute den Dachreiter auf der Ostseite der Spisergasse.
1658 Katharina Stüdlin, Hobsgerin genannt, wird weil sie unter anderem auf dem Studengüggi (Freudenberg), auf dem Tanzplatz der Hexen herumgetanzt sei, in einem Malefizprozess als Hexe zum Tode verurteilt. Nach ihrem Tod wurde der Platz auf dem Studengüggi oft auch Hobsgerplatz genannt. Dem Übernamen nach wohnte sie vermutlich im Hobsgermoos auch Fröschenmoos genannt, Gebiet zwischen Vordergasse und Hintergasse.
1658 Magdalena Horberin, der Hexerei bezichtigt wird freigesprochen, muss jedoch die Stadt verlassen.
1658 Wiederholt wird Christoph Hofstätter vom Vedacht der Hexerei freigesprochen, muss jedoch die Stadt verlassen.
1659 Das Rathaus an der Marktgasse bekommt einen Anbau mit Gewölben für die Kanzlei und die Aufbewahrung des Stadtarchivs.
1660 Aus Handwerkerkreisen bildet sich ein Collegium für Gesang, dem vom Rat ein leerstehendes Gewölbe, an der St. Magenkirche angebaut, zur Verfügung gestellt wird.
Ergänzung
1660 Die Burg Spisegg wird abgebrochen.
1660 Die Stadt St. Gallen kauft das Hochrütener Bürgli dessen rote Riegelbalken immer mehr zum Namen rotes Haus beitrugen. Es darf vom Bürgermeister als Sommersitz benützt werden.
1660 bis 1687 Bürgermeister: Hans Joachim Haltmeyer, aus der Schneiderzunft.
1660 Juni
Der Briefbestelldienst (Briefboten) wird jetzt innnerhalb der Stadt St. Gallen auch durch Frauenspersonen besorgt.
1660 Die eine der zwei Glocken im Türmchen von St. Peter auf Rotmonten ist gesprungen und wird von der Lindauer Giesserei Ernst umgegossen.
Ergänzung
1661 Mit einer feierlichen Einweihung übernehmen die evangelisch-reformierten Kirchgenossen von Winkeln das neue Kirchgemeindehaus mit Glockenturm.
1661 Abt Gallus Alt weiht die Kirche in St. Josefen ein, 1960 wurde sie abgerissen.
1661 Zum Vorläufer unseres Kinderfestes, dem Gregoriusfest, werden erstmals Mädchen zugelassen. Am auch Rutenfest genannten Fest werden im Wald die Züchtigungsruten für die Schüler geschnitten.
1661 Die Brüder Zollikofer aus St. Gallen werden Besitzer von Schloss Castell in Tägerwilen.
1661 Eröffnung des Arbeits- und Zuchthauses, auch Korrektionshaus genannt, im ehemaligen Kloster St. Leonhard.
Ergänzung
1662 Die Ehebrecherin Anna Schüssin wird zu 8 Tagen Arrest bei Wasser und Brot verurteilt. Danach muss sie in St. Laurenzen vor dem Kirchenvolk im Chor sitzend eine auf sie gemünzte Predigt anhören und öffentlich ihre schwere Sünde bekennen.
1662 Das zuvor in Goldach pfarrgenössige Eggersiet, darf die mit Bewilligung des Abtes erbaute Kirche einweihen.
1663 bis 1670 Bürgermeister: Friedrich Buchmann, aus der Weberzunft.
1663 bis 1669 Auf dem von Abt Gallus II. erstandenen Feld beim Hof Wiesen auf Notkersegg wird für die Kapuzinerinnen ein weitläufiges Kloster erstellt und somit das Klösterchen Tann aufgelöst.
1664 Die Stadt wird erstmals zur Eidgenössischen Tagsatzung eingeladen.
1664 Johann Studer wird nach einem Prozess wegen Ehebruchs und schlechtem Geschäften enthauptet.
Ergänzung.
1664 bis 1687 Bürgermeister: Otmar Appenzeller, aus der Schneiderzunft.
1665 Das Collegium musicum, gegründet 1620, kann sich mit Hilfe der Stadt ein eigenes Lokal, nämlich das 1931 abgebrochene Sängerhäuschen am Bohl, leisten.
1665 Die Stadt St. Gallen schenkt den Luzernern für die Belebung ihres zum Teil trockengelegten Festungsgrabens zwei Damhirschkühe.
Ergänzung
1666bis 1740 Eine in der Stadt und darüber hinaus bekannte Persönlichkeit!
Joseph von Rudolphi, 1717 bis 1740 Fürstabt von St. Gallen. Gewählt wurde er im Exil auf Schloss Neuravensburg.
1666 Die Petruskirche wird zusammen mit der Gallus- und der St. Katharinenkapelle abgebrochen um dem Bau des Hofflügels Platz zu machen.
1666 Die Kapelle St. Barbara im Bild wird erstellt. Sie soll wie der zuvor dort gestandene Bildstock an die von Abt Ulrich von Sax auf dem Breitfeld verlorene Schlacht gegen Bischof Wernher von Konstanz im Jahr 1208 erinnern.
1666/67 Bau des Hofflügels, südlicher und zugleich ältester Teil der Pfalz der den Klosterplatz vom kleineren Brunnenhof trennt.
1667 31. März
Feierlich bekommt die kürzlich erstellte
Bildkapelle St. Barbara eine Glocke in den Dachreiter.
1667 Die Stadt St. Gallen wird zum regelmässigen Teilnehmer der Tagsatzung.
1668 Die Einnahme der Grafschaft Burgund durch König Ludwig XIV. veranlasst die Eidgenossenschaft zur Schaffung einer Defensionale, die je nach Bedrohungslage einen bis zu dreifachen Auszug bereitstellen muss. Die Stadt St. Gallen musste demnach für einen einfachen Auszug 200 Mann mit einem sechspfünder groben Geschütz zur Verfügung stellen.
1668 Martin Undersee wird vom äbtischen Blutgericht in St. Fiden wegen Brandstiftung zum Feuertod verurteilt, erhält jedoch die Gnade, vor der Verbrennung erwürgt zu werden.
1669 März
Der Hofmeister und Kanzler des Abtes spricht bei Bürgermeister und Rat der Stadt vor. Grund, der restaurierte Turm des Müllertores wurde mit Schusslöchern und Guggeren versehen, die sich gegen das Kloster richten. Der Protest wurde vom Rat abgewiesen, denn es sei nur um der Luft und des Anblicks willen geschehen.
1669 Johann Conrad Scheuss errichtet im Kubel eine Papiermühle.
1670 Hans Albrecht Schobinger der es wagte zum katholischen Glauben überzutreten, hat zusammen mit seinen sonstigen Übertretungen den Bogen überspannt, er wird als ehrlos erklärt und sein Vermögen verfällt.
1670 Abt Gallus erlässt für die Brücke in Schwarzenbach einen Zoll auf Handelswaren, damit kann die Gemeinde Jonschwil den Unterhalt der Brücke finanzieren.
1670 bis 1695 Bürgermeister: Joachim Kunkler, aus der Pfisterzunft.
1670 Wie vor 10 Jahren schon, ist jetzt auch die zweite Glocke im Türmchen von St. Peter auf Rotmonten gesprungen, sie wird auch diesmal wieder von der Lindauer Giesserei Ernst umgegossen.
Ergänzung
1671 Die Toggenburger erreichen bei Abt Gallus Alt die Absetzung des äbtische Landvogts Wolfgang Friedrich Schorno.
1671 Im Kloster wird im äusseren Klosterhof die Hofkapelle (Galluskapelle) geweiht.
1672 Nachgewiesen sind Theatergastspiele, die teilweise im Garten des Katharinenklosters oder auf dem Marktplatz aufgeführt werden.
1672 In Bruggen wird die St. Martin, St. Otmar und St. Leonhard geweihte Kappelle zur Kirche erweitert.
1673bis 1740 Eine in der Stadt und darüber hinaus bekannte Persönlichkeit!
Georg Gsell, Barockmaler, Kunstberater und -händler.
1673 In der Stadt gilt die Schulpflicht.
1673 Die Stadt verordnet für die weibliche Hutmode zuhanden von vier verschiedenen Gesellschaftsständen je eine Hutordnung, die die breite der Bräme und den jeweiligen maximal zu bezahlenden Preis betrifft.
1673 Dem Stadtsatzungsbuch ist zu entnehmen, das Bürgermeister, sowie kleine und grosse Räte als von Gott aufgesetzte Obrigkeit zu gelten haben.
1673 Der Mauerwerkerker zur (Hexenburg), Hintere Lauben 12, wird erstellt.
1673 An der oberen Markgasse wird am Haus zum Kamel ein Holzerker erstellt (Kamelerker).
Ergänzung
1674 In zwei Bruggen, unterhalb der heutigen Haggenbrücke an der Sitter, wird eine Mühle erstellt (Zweibruggenmühle).
Ergänzung
1675 Der Erker zum (Greif), Gallusstrasse 22, wird erstellt.
1676 Mit dem sogenannten „Rheintaler Kommunell” festigt sich das Kloster St. Gallen im Rheintal seine weltliche Herrschaft.
1676 Der Holzerker, Marktgasse 17, wird erstellt.
1676 Die Bernecker und Balgacher verweigern dem Abt von St. Gallen, den Eid für ihre untertänigste Gefolgschaft zu schwören.
1676 Den Mesmern wird verboten auf dem Friedhof ihre Schafe weiden zu lassen.
1677 Katharina Huberin aus Siegershausen, des Leinwanddiebstahls angeklagt, kann wegen mangelndem Beweismaterial nicht zum Tode verurteilt werden, deshalb werden ihr gemäss Urteil „nur” die Finger abgehauen.
1677 Ravensburg, durch den Dreissigjährigen Krieg total verarmt, erhält vom Hl. Geistspital in St. Gallen eine bedeutende Anleihe.
1677 Anna Hellerin wird vom Vorwurf der Zauberei freigesprochen.
Ergänzung
1678 Das baufällige Schibenertor wird renoviert.
1678 Der Versuch, dass Schloss Sonnenberg an die protestantische Stadt St. Gallen zu verkaufen, scheitert an der durch die katholischen Orte der Eidgenossenschaft verwehrten Zustimmung.
1679 Innerhalb der Stadtmauern werden 521 Häuser gezählt.
1680 15. September
Mit einem grossen
Translationsfest werden die in Rom erworbenen Reliquien von Sergius, Bacchus und Hyazinthus, dem Kloster übergeben.
1680 Die Stadtbürger werden unter Strafandrohung gezwungen in Fronarbeit die Weiher auf Dreilinden zu entschlammen und den Knabenweiher zu vergrössern.
1680 Nach langewährender Verhandlungen kommt zwischen der Fischerschen Postadministration von Bern und den kaufmännischen Postverwaltungen von Zürich und St. Gallen ein Vergleich zu Stande.
Ergänzung
1680 Die Stadt zählt 6'000 Einwohner.
1680 Anna Hellerin wird im 2. Prozess vom Vorwurf der Zauberei freigesprochen.
Ergänzung
1681 10. Dezember
Gelehrte, wagemutige Herren aus der Stadt erreichen mit einem Innerhoder Führer als zweite den noch schneefreien Gipfel des Säntis. Dieser wurde ein Jahr zuvor Erstbestiegen.
1681 Tablat erhält eine Gemeindeordnung.
1681 Die neue Botenordnung (Postortnung) besagt, dass die Boten vom November bis Februar pünktlich um 6 Uhr und die restlichen Monate um 7 Uhr die Stadt verlassen müssen und auf niemanden warten dürfen.
1682 Stadtarzt Tobias Baumgartner bemerkt, dass das Barbier-Handwerk in St. Gallen ziemlich stark sei und fordert deshalb die Einführung eines Examens für Bader und Barbiere.
1682 Das Heiliggeist-Spital vermietet ausserhalb der Stadtgrenze in der eigenständigen Gemeinde Straubenzell seine Felder an städtische Bleicher.
1683 Der Klosterhofbrunnen wird erstellt. Der Brunnentrog als solcher besteht heute noch.
1683 Marx Haltmeyer schreibt die Stadtgeschichte nieder „Beschreibung der Eidgenössichen Stadt St. Gallen”.
1683 Anna Hellerin wird im 3. Prozess vom Vorwurf der Zauberei freigesprochen.
Ergänzung
1684bis 1735 Eine in der Stadt und darüber hinaus bekannte Persönlichkeit!
Peter Bion, Kaufmann und Unternehmer.
Ergänzung
1684 Im Küsterhaus des Klosters bricht Feuer aus, dass zusammen mit der Weinschenke zum Raub der Flammen wird.
1684 Abt Gallus Alt baut das Schloss Hagenwil zu einem Erholungsort für Mönche des Klosters St. Gallen und als Sommerresidenz für die Äbte aus.
1685 Die Kaufmännische Corporation der Stadt St. Gallen gründet die Eglise Francaise de Saint Gall, die ihre evangelischen Gottesdienste im ehemaligen St. Katharinenkloster in französisch durchführen.
Ergänzung
1685 Abrahanm Zollikofer erbaut an der Kugelgasse 10 den zweistöckige Holzerker zum (Schwan).
1685 In der Nähe eines Bildstöckleins am Gottshusweiher (Lerchenfeldweg) ersteht Straubenzell ein älteres Haus, das umgbaut künftig als Schulhaus dient.
1686 5./6. November
Die zweite
Waldenserverfolgung in Frankreich, treibt 36 Flüchtlinge aus dem Val Pragela, darum auch Pragelaner genannt, über Mailand und Graubünden in unsere Stadt. Ein Teil davon wurde von den Dragonaden zwangskatholisiert. Vier fanatisierte Bauern, Untertanen des Abtes, attackieren diese kurz vor der Stadt und verletzen zwei mit ihren Heugabeln.
1686 Fidel von Thurn überreicht Abt Gallus Alt den Annuntiatenorden, den nunmehr alle Äbte St. Gallens tragen dürfen.
1686 Anna Hellerin wird im 4. Prozess vom Vorwurf der Zauberei freigesprochen.
1687 13. März
Abt Coelestin Sfondrati, Abt bis 1696.
1687 1. September
Auf einer Strolchenjagd, werden von den Häschern des Abtes auch
Waldenserflüchtlinge aus dem Val Pragela festgenommen und in Eisen gelegt. Sie sind vor der zweiten Verfolgungswelle des französischen Staates geflüchtet. Die Stadt erreicht ihre Herausgabe und verlangt vom äptischen Landhofmeister diese Leute künftig ungehindert passieren zu lassen.
1687 Abt Coelestin Sfondrati wird das Recht erteilt, mit den Gesandten der Schirmorte durch die Stadt nach Gossau zu gelangen. Seine Reiterei begleitet ihn mit blanken aufwärts getragenen Degen, was massivste Proteste seitens der Stadt hervorruft.
1687 Erwähnt wird erstmals der Vogelherd bei der Achslen, wo auf dem markanten Hügel für das Kloster der Vogelfang, vorwiegend für Drosseln betrieben wurde.
Ergänzung
1687 bis 1700 Bürgermeister: Johannes Spengler, aus der Weberzunft.
1687 bis 1717 Bürgermeister: Heinrich Hiller, aus der Schneiderzunft.
1688 Der Holzerker zum (Rosenstock), Schmiedgasse 2, wird erstellt.
1688 Der französischer Hochstapler Marquis de Villard hat von den Leinwandkaufleuten Sebastian und Franz Kunz grosse Geldsummen erschlichen, indem er vorgab, aus niederen Metallen Gold herstellen zu können.
Ergänzung
1689 Der Holzerker am Haus zum Scheggen, Marktgasse 19, wird erstellt.
1689 Aus ökonomischen Gründen und auf Ersuchen der sechs Zünfte, wird die Zucht und Waisenanstalt St. Leonhard aufgehoben.
1689 1450 geflohene ud bedürftige Hugenotten und Waldenser werden von der Stadt mit Almosen versorgt.
1690 22. Juni
Mehrtägiger Regen hat zur Folge, dass die meisten Gärten hinter der Klostermauer weggerissen werden. Die Bleichen und der Brühl stehen halbmannshoch unter Wasser, östlich und westlich der Stadt bietet sich die Ansicht eines Sees.
1690 Die städtische Badeanstalt Neubad an der heutigen Bankgasse wird geschlossen.
1690 Marx Friedrich Höger bekommt die Bewilligung den eingeschossigen Eichenholzerker an der Kugelgasse 10 auf zwei Stockwerke zu erhöhen.
1691 24. Juni
Auf Befehl des Kurfürsten Friedrich III. finden einige protestantische Schweizerfamilien aus St. Gallen in Eberswalde (De) Asyl.
Ergänzung
1691 Ein Regelwerk gegen Überfluss, Unmass und Pracht in Kleidungen wird erlassen. Auszug
1691 Der von der Ordinari St. Gallen - Lyon, bis jetzt jeweils zu Fuss zurückgelegte Weg wird durch berittene Boten ersetzt.
1691 Elisabeth Schindolfin wird nach ihrem Vergicht als Hexe zum Tod verurteilt.
1691 Anna Hellerin aus Rheineck wird nachdem sie 1677 / 1680 / 1683 / 1686 jeweils von der Zauberei freigesprochen wurde, mit ihrem Vergicht als Hexe zum Tod verurteilt. Sie wird, nachdem ihr zuvor vor dem Rathaus eine Hand abgehackt wurde, lebendigen Leibes auf dem Leimat verbrannt.
Ergänzung
1691 Weibrath Vonwillerin wird von der Hexerei freigesprochen.
1692 16. April
Rückkehrwillige
Waldenser werden mit Reisegeld versehen und von Seelmeister Georg Hugentobler bis nach Chur begleitet.
1694 Barbara Müllerin, genannt Böhmerin, der Hexerei bezichtigt, wird freigesprochen.
1693 Karrfreitag, drei Männer der Familie Himmelberger, tragen das von ihnen restaurierte wundersame Wegkreuz, dass schon um das Jahr 1570 auf dem Espen stand wieder dorthin zurück, heute steht dort das Wallfahrtskirchlein Heiligkreuz.
1695 Die Gesandten aller katholischen Stände und des Abts von St. Gallen beschliessen gemeinsam sich Rüstungen anzuschaffen um im Notfall der unkatholischen Religion begegnen zu können.
1695 Der zweistöckige Holzerker zur (Kugel), Kugelgasse 8, wird erstellt.
1695 Die Kirche des ehmaligen St. Katharinenklösterchens wird den aus Frankreich geflohenen Hugenotten zur Verfügung gestellt.
1695 Eine Waffeninspektion in Stadt und Gerichten ergibt, dass 128 Mann gar schlecht ausgerüstet sind, mit der Drohung des Bürgerrechtsverlustes im Rücken, werden sie verpflichtet sich mit brauchbarem Geschoss, Kraut und Lot zu versehen.
1695 bis 1702 Bürgermeister: Ulrich Weyermann, aus der Weberzunft.
1696 Der auch bei den Protestanten beliebte Abt Coelestin Sfondrati wird von Papst Inozenz XII. in die Würde eines Kardinals erhoben. Beim verlassen des Klosters erteilt ihm auch eine Abordnung der Stadt die Ehre.
1696 Abt Leodegar Bürgisser, Abt bis 1717.
1696 Die konfessionellen Auseinandersetzungen mit dem Abt erreichen im Toggenburg ihren Höhepunkt.
1697 3. Mai
St. Galler
Kreuzkrieg. Anlässlich einer Prozession durch die Strassen der reformierten Stadt werden provozierend einige Kreuze aufrecht getragen, erboste Bürger greifen zu den Waffen und jagen die Wallfahrer ohne Kreuze aus der Stadt.
1697 17./18. Mai
Abt Bürgisser droht mit der Beschiessung der Stadt und positioniert die Drohung untermauernd seine Truppen rund um die Stadt und auf dem Rosenberg. Die Differenzen werden aber, wenigstens für kurze Zeit, beigelegt.
Ergänzung
1697 Infolge des drohenden Konfessionskrieges wird Kapitänleutnant Abraham Huber zum Führer der städtischen Streitkräfte ernannt, er bekommt hierfür den Titel des Stadtmajors.
1697 Abt Leodegar Bürgisser gibt den Bau einer den Saumpfad ersetzenden Karrenstrasse über den Rickenpass bekannt, dies sei auf der Toggenburgerseite durch Frondienst leistende Wattwiler zu geschehen.
Ergänzung
1698 Der Stadtbürger und Handelsherr, David Schobinger, ist Eigentümer von Schloss Heerbrugg.
1698 Wieder erreichen 300 Waldenser unsere Stadt wo sie für ein halbes Jahr verpflegt werden. Anschliessend wandern sie ins Brandenburgische, nach Holland oder England aus.
1698 Das ehemalige Klösterchen St. Katharinen wird zur städtischen Knabenschule, Buebechloster genannt.
1699 Der Steinerker zum (Stern), Spisergasse 19, wird erstellt.
1700 Der zweistöckige Holzerker, Multergasse 41, wird erstellt.
1700 bis 1720 Bürgermeister: Laurenz Werder, aus der Weberzunft.