Mauertürme - Ergänzung

Im Jahr 953 mach­te sich Abt Anno (Ge­gen­abt) da­ran, St.Gal­len mit ei­ner Mau­er zu um­schlies­sen. 20 Jah­re spä­ter stell­te Abt Not­ker das Werk mit 13 Tür­men (inkl. Tor­tür­men) zu En­de. Die ers­ten Mau­er­tür­me dürf­ten an­fangs als Block­häu­ser auf die Mau­er auf­ge­set­zt wor­den sein. Al­ler­dings wur­de die Kir­che St.Man­gen und die Irer­vor­stadt (nörd­li­cher Teil der Stadt) noch nicht in den Mau­er­ring mit ein­be­zo­gen.

Die un­ge­ra­de, eher ring­för­mi­ge Stadt­gren­ze lies kaum ei­nen ge­ra­den Mau­er­ver­lauf zu. Um die Mau­er trotz­dem lü­cken­los über­schau­bar zu ma­chen wur­den zu­meist aus der Mau­er aus­kra­gen­de Wacht­tür­me er­stellt und mit den nö­ti­gen Waf­fen aus­ge­rüs­tet. War der Mau­er­ver­lauf grad­li­nig aber dis­tanz­mäs­sig gross, wie z.B. zwi­schen dem grü­nen Turm und dem Mul­ter­tor, wur­de da­zwi­schen zur Ver­tei­di­gung ein Wehr­turm wie der Ra­ve­lin ge­baut.

In ei­ner Ur­kun­de von 1384 ist ein Mau­er­turm in Form einer auf die Mauer aufgesetzten Holzhütte er­wähnt (lei­der ohne Na­men), der in etwa im Be­reich der heu­ti­gen Brühl­tor­pas­sa­ge, die zur Brühl-, Ku­gel- und Spi­tal­gas­se führt, ge­stan­den ha­ben muss­te. Die Mau­er um die Ira­vor­stadt mit dem Brühl­tor war noch nicht vor­han­den. Der Turm war wohl als Eck­turm kon­zi­piert und dien­te, wie im vor­he­ri­gen Ab­satz be­schrie­ben, der Über­schau­bar­keit und der Ver­tei­di­gung der Mau­er zwi­schen den To­ren, in die­sem Fall zwi­schen Spi­ser- und Irer­tor. Die Be­waff­nung des «Tur­mes» be­stand aus ei­ner Wurf­ma­schi­ne für grös­sere Pfei­le und ei­nem Sprin­golf (Wurf­ma­schi­ne für Stei­ne usw.) Auf dem Stadt­plan von Matt­hae­us Me­rian von 1642 sind wei­te­re Tür­me zu se­hen, so ist un­weit süd­lich des Spi­ser­to­res ein Mauer­turm vor­han­den, eben­so nörd­lich des Mul­ter­to­res. Im Lau­fe der Zeit gab es mög­li­cher­wei­se wei­te­re Mau­er­tür­me, die wie­der ent­fernt aus der Ge­schich­te ver­schwun­den sind.

Nebst den Mauer­tür­men wa­ren na­tür­lich noch die mäch­ti­gen und stark be­wehr­ten Tor­tür­me, (zu se­hen un­ter «Stadt­to­re») teils mit Dop­pel­tor und/oder Zug­brü­cke. Zu­sätz­lich wa­ren sie zum Teil mit Sen­ti­nel­len aus­ge­stat­tet. Sen­ti­nel­len wa­ren ei­gent­li­che Er­ker mit ei­ner Bo­den­öff­nung über dem Tor­durch­gang, aus dem bren­nen­des Pech, Stei­ne und sonst noch al­les Mög­li­che auf den Feind hin­un­ter ge­kip­pt wer­den konn­te.

Na­tür­lich gab es noch an­de­re Vor­sichts­mass­na­men die der Stadt­ver­tei­di­gung dien­ten. Um 1422, nach den Appen­zel­ler­krie­gen, wird auch um die Irer­vor­stadt ei­ne Mau­er ge­baut. Der Ira­bach der vom Löch­le­bad (Süd­ecke der Uni­on am Schi­ben­er­tor) am Irer­tor vor­bei zum Brühl­tor floss, war plötz­lich mit­ten in der Stadt. Das Si­cher­heits­prob­lem da­bei war, dass der Ira­bach beim Löch­le­bad un­ter der neu­en Stadt­mau­er hin­durch muss­te. Die­ser Durch­lass muss­te zu­sätz­lich auch noch ge­schützt wer­den, in­dem man dort ei­ne Ka­no­ne in­stal­lier­te.

Vor Ein­füh­rung der Ge­stell­büch­sen (Feld­schlan­gen und Kart­hau­nen) waren die Tor- und Mau­er­tür­me wohl mit Wurf­ma­schie­nen für gros­se Pfei­le «Springolf» aus­ge­rüs­tet.

Auch Kirch­tür­me tru­gen zur Ver­tei­di­gung bei, so St.Lau­ren­zen und der Turm der Klos­ter­kir­che auf de­nen weit­rei­chen­de Ge­schüt­ze mon­tiert wa­ren um im Not­fall die Hän­ge süd­lich und nörd­lich der Stadt be­strei­chen zu kön­nen. Als die Stadt we­gen der Zer­stö­rung des Klos­ters in Ror­schach ab 12. Februar 1490 von Eid­ge­nös­si­schen Trup­pen be­la­gert wur­de ist aus ers­ter­er auf die Be­la­ge­rer ge­schos­sen wor­den. Am 15. Feb­ru­ar wur­de die Be­la­ger­ung, im Vor­frie­den von St.Fi­den be­schlos­sen, be­reits wie­der ein­ge­stellt.

Die Jah­re um 1800+/- kön­nen als An­fang vom En­de der Stadt­be­fes­ti­gung be­zeich­net wer­den. Die Be­völ­ker­ung hat­te ge­nug von der sie ein­eng­en­den Stadt­mau­er und von den Schat­ten bil­den­den Stadt­to­ren mit ih­ren ho­hen Tür­men. So wur­de als ers­tes den Haus­be­sitz­ern die Be­wil­li­gung er­teilt für ih­re an die Mau­er an­ge­bau­ten Häu­ser Fen­ster aus der Mau­er aus­zu­bre­chen. Da­nach war plötz­lich auch der Ab­bruch gan­zer Mau­er­tei­le mög­lich. Für die Mau­er zwi­schen Metz­ger- und Platz­tor blieb noch ei­ne Gal­gen­frist bis in die 1830/40er Jah­re, dann fiel auch sie der Spitz­ha­cke zum Opf­er. Dem Ab­bruch der Mau­er­tei­le folg­te die Zu­schüt­tung der Stadt­grä­ben die in der Fol­ge ger­ne als Gar­ten be­nützt wur­den, sie­he Obe­rer Gra­ben und Burg­gra­ben. Die Tor­tür­me wa­ren als näch­stes an der Rei­he, nicht zu­letzt durch Pe­dit­io­nen aus der Be­völ­ker­ung er­wirkt. Der Zeit­geist hat­te kei­nen Platz mehr für ver­gan­ge­nes.

   Mauertürme   
Lesehilfe:   Mit linker Maustaste bedienbar!